Pressemeldung vom 09. Dezember 2011

ADK-Hauptgeschäftsführer Dr. Volker Schmidt: »Unsicherheiten wachsen – Erneute Finanzmarktkrise belastet Perspektiven für 2012«

Konjunkturumfrage 2012 der Arbeitgeberverbände lässt rückläufige Produktionszahlen befürchten

Hannover – 9. Dezember 2011. Produktion, Export und Investitionen werden zum Jahresende 2011 nach wie vor zuversichtlich gesehen, doch die Unternehmen rechnen für das kommende Jahr mit Bremsspuren. „Die Stimmung trübt sich ein“, bilanziert Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der neun Arbeitgeberverbände im Haus der Industrie die traditionelle Konjunkturumfrage unter gut 800 Unternehmen aus der Metall- und Elektro-, Kautschuk- und Papierverarbeitenden Industrie sowie der Arbeitgebervereinigung Hannover.

Die Unternehmen können  2011 auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. „Wir haben binnen Jahresfrist insgesamt 11.000 neue Jobs geschaffen. Allein in der Metall- und Elektro-Industrie sind 7.000 neue Arbeitsplätze entstanden. Das sind 1.000 Jobs mehr als noch vor einem Jahr erwartet“, so Schmidt. „Aber die Turbulenzen an den Finanzmärkten hinterlassen auch bei uns erste Spuren.“

Derzeit erwarten 18 Prozent der Metall-Firmen einen Produktionszuwachs, vor einem Jahr waren dies noch 59 Prozent. Spiegelbildlich dazu hat sich die Zahl derjenigen verdoppelt, die mit einem Produktionsminus rechnen: Jedes fünfte Unternehmen der Metall- und Elektro-Industrie geht von einem Rückgang der Produktion aus. Ein  ähnlicher Trend ist auch in den übrigen Branchen zu verzeichnen.



Gerade im Euro-Raum, in den 40 Prozent der Exporte der Industrie gehen, brächen die großen Volumenmärkte für Investitionsgüter in Spanien, Italien und Frankreich weg. Schmidt: „Wir können nicht gänzlich ausschließen und befürchten mit Sorge, dass sich die Euro-Krise in unseren Auftragseingängen langsam durchzufressen beginnt.“

Schmidt weist darauf hin, dass eine im Kern absolut gesunde und hoch wettbewerbsfähige Industrie wie die Metall- und Elektro-Industrie binnen drei Jahren nunmehr ein weiteres Mal Gefahr liefe, von einer Krise der Finanzmärkte erschüttert zu werden. Auch der „Overkill an Spekulationswellen“ an den Rohstoffmärkten sei mittlerweile zu einem massiven Problem geworden. Die Preise entwickelten sich zunehmend losgelöst von den tatsächlichen Mengenbewegungen und machten jede längerfristige Planung in den Unternehmen unmöglich. Dadurch stiegen die Anforderungen an die betriebliche Flexibilität massiv.

Bezogen auf die aktuellen Tarifrunden mit der IG Metall lehnt Schmidt jede Einschränkung von Zeitarbeit nachdrücklich ab. Schmidt: „Die IG Metall baut hier einen Popanz auf.“ 2,2 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland seien bei Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt, in der  Metall- und Elektro-Industrie Niedersachsens seien es 4 Prozent. Zudem gehe in den Metall- und Elektro-Betrieben der Anteil seit einem Jahr zurück.

Es gebe keine bessere Brücke aus der Arbeitslosigkeit als Zeitarbeit. Mittlerweile werde jeder dritte Zeitarbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen von einem Unternehmen fest übernommen.

Schmidt wies auf den  zunehmenden Fachkräftemangel hin. Laut Umfrage von NiedersachsenMetall gibt bereits jedes vierte Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie an, Aufträge nicht oder nicht fristgerecht bearbeiten zu können, weil Mitarbeiter mit speziellem technischen Know-how fehlen. Schmidt, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der IdeenExpo ist, kündigte an, dass NiedersachsenMetall als Mitinitiator und Hauptsponsor der IdeenExpo daher sein Engagement bei der nächsten IdeenExpo 2013 weiter verstärken werde.

Schmidt wies darauf hin, dass erstmals seit langem die niedersächsische Metall- und Elektro-Industrie in diesem Jahr deutlich über 1.000 zusätzliche Ausbildungsplätze besetzt habe. In diesem Zusammenhang gab Schmidt bekannt, dass der Anteil  der Ausbildungsplätze für Hauptschüler in Folge der Initiative von NiedersachsenMetall (der Verband bezuschusst jeden Ausbildungsplatz für Hauptschüler mit 5000 Euro) in diesem Jahr von 2,5 Prozent auf 5 Prozent verdoppelt werden konnte.

Schmidt zeigte sich in diesem Zusammenhang offen mit der IG Metall über tarifvertragliche Regelungen zur Einstiegsqualifizierung zu sprechen, machte aber deutlich, dass es bereits eine Vielzahl betrieblicher Lösungen gebe.

NiedersachsenMetall lehnt die IG Metall-Forderung nach einer unbefristeten Übernahmeverpflichtung für Auszubildende entschieden ab.  Schmidt: „Ein solcher Tarifvertrag ist kontraproduktiv und geht zu Lasten der Ausbildungsplätze, weil dann kein Unternehmen mehr über Bedarf ausbildet. Stattdessen müssten wir davon ausgehen, dass sich dann das Ausbildungsplatzangebot um ein Viertel reduziert.“ 2011 übernahmen die Betriebe der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie 79 Prozent der Ausgebildeten unbefristet.


Werner Fricke
0172-5105912

 

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Kurzfilm zur Pressekonferenz am 09.12.2011

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