Kassel – 6. März 2010. Die Sozialpartner der deutschen Kautschukindustrie haben sich gestern in Kassel auf ein Tarifergebnis für die Branche geeinigt.
Danach erhalten die Mitarbeiter für das Kalenderjahr 2010 Einmalzahlungen in Höhe von
- 200 Euro (Auszubildende 45 Euro) mit dem Entgelt Monat April. Diese Einmalzahlung kann aus wirtschaftlichen Gründen entfallen.
- 170 Euro (Mitarbeiter im Dreischichtsystem 190 Euro, Auszubildende 45 Euro) mit dem Entgelt für den Monat Oktober.
Für das Kalenderjahr 2011 werden die Tabellenentgelte ab dem 1. Januar 2011 um 2,1 Prozent erhöht (gleiches für Ausbildungsvergütungen). Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten kann diese Erhöhung im Rahmen einer Öffnungsklausel um bis zu drei Monate nach hinten verschoben werden.
Die Laufzeit beträgt 22 Monate bis zum 30. September 2011.
Außerdem vereinbarten die Tarifvertragsparteien einen Tarifvertrag „Demographie“, der 2012 in Kraft tritt und u.a. eine jährliche Einmalzahlung von 300 Euro pro Beschäftigten vorsieht. Diese kann genutzt werden für Altersteilzeit, Langzeitkonten oder Altersvorsorge.
Für das Tarifgebiet Ost wurde eine Angleichung vereinbart. Zukünftig erhalten auch dort die Beschäftigten Vermögenswirksame Leistungen in Höhe von 20 Euro.
»Damit haben wir einen vernünftigen Mittelweg zwischen Einkommenssicherung, betrieblicher Flexibilität und verantwortbarer Kostenbelastung im unsicheren Jahr 2010 gefunden«, sagte Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Deutschen Kautschukindustrie (ADK). Die Tarifrunde habe im Zeichen der Konjunkturkrise gestanden. Schmidt: »Noch ist unsere Branche weit vom Vorkrisenniveau 2008 entfernt. Obwohl seit einigen Wochen eine Trendwende zum Besseren zu spüren ist, bleibt völlig offen, ob diese Erholung von Dauer ist.«
Die Verhandlungsführer (von links): Volker Weber, Christian Jungvogel (IG BCE)
und Dieter Lemke, Dr. Volker Schmidt (ADK)
Die Sozialpartnerschaft habe sich auch in unsicherer Zeit einmal mehr bewährt. Schmidt: »Wir sind unserer Aufgabe gerecht geworden, einen Tarifabschluss mit Augenmaß zu vereinbaren, der unseren Unternehmen Planungssicherheit für die Jahre 2010 und 2011 gibt und der unseren Beschäftigten einen vertretbaren Einkommenszuwachs bis weit in das Jahr 2011 sichert.«
Als sozialpolitisch sinnvoll bewerten die Arbeitgeber den mit der Gewerkschaft vereinbarten Demographiefonds. »Wir haben mit diesem Tarifvertrag die Probleme aus dem Altersaufbau unserer Bevölkerung im Blick. Allerdings wissen wir auch um die Kostenwirkungen des Demographiefonds. Der Verteilungsspielraum für künftige Lohnerhöhungen ist damit deutlich verringert.«
Schmidt sieht nach dem Abschluss für die Metall- und Elektro-Industrie auch das Kautschuk-Ergebnis als Beitrag zur Stärkung der Tarifautonomie und als Gütesiegel für die Soziale Marktwirtschaft. »Beide Tarifabschlüsse beweisen ein hohes Maß an gesamtwirtschaftlicher Verantwortung. Das ist zugleich ein Signal auch für andere Branchen, etwa die chemische Industrie«, sagte er im Anschluss an die Verhandlungen.
Zur Branche:
Die deutsche Kautschukindustrie beschäftigt rund 75000 Mitarbeiter und hat eine Wertschöpfung in Höhe von 12 Milliarden Euro.
Werner Fricke, Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschukindustrie (ADK), Tel. 0172-5105912
Weitere Informationen exklusiv für Verbandsmitglieder:
3. Tarifverhandlung: Abschluss in der deutschen Kautschukindustrie
(Tarifrundschreiben vom 06.03.2010)